Glossar

Arbeit: Ist eine bewusste, schaffende Tätigkeit des Menschen. Um den Men- schen zu erhalten, ist in jedem System und zu jeder Zeit Arbeit nötig. Im Kapitalismus ist die Arbeit aber zum Nachteil der Menschen organisiert, die sie verrichten – nämlich als →Lohnarbeit.

Arbeiter: Siehe Proletarier.

Arbeitgeber/Kapitalist: Kapitalist ist nicht, wer viel verdient, ein schickes Auto oder teure Anzüge hat oder will. Ein Kapitalist wird dadurch definiert, dass er seine Arbeitskraft nicht an andere verkaufen muss, um seinen Lebensunter- halt zu verdienen. Er lebt von Grundrente oder dem Mehrwert, den →Lohnar- beiter schaffen.

Ausbeutung: Ausbeutung ist die Aneignung der Arbeitskraft und der daraus resultierenden Produkte, welche über die notwendige Arbeit zur Erhaltung der Lebens- und Arbeitskraft der →Arbeiterin hinausgeht. Ausbeutung ist demnach das Einsacken fremder Mehrarbeit und der daraus resultierenden Mehrprodukte durch die →Kapitalistin. Wenn 1 Stunde und 45 Minuten täg- lich für das Erschaffen des →Wertes, der dem →Lohn entspricht, notwendig sind, die Arbeiterin aber 8 Stunden arbeitet, so hat sie 6 Stunden und 15 Mi- nuten Mehrarbeit geleistet. Oder in Franken ausgedrückt: Wenn ihr Stunden- lohn 27.70 CHF beträgt, sie also 221.60 CHF pro Tag verdient, ihre Chefin der Kundin aber 125 CHF pro Stunde verrechnet, also 1000 CHF pro Tag, beginnt nach rund 1 Stunde und 45 Minuten die Mehrarbeit. Weil das Produkt dieser Mehrarbeit der Kapitalistin gehört, wurde die Arbeiterin ausgebeutet. Somit hat Ausbeutung nichts mit moralisch verwerflichen Arbeitsbedingungen oder besonders schwerer körperlicher Leistung zu tun.

Eigentum: Ist ein staatlich garantiertes Verfügungsrecht über Dinge (z.B. Pro- duktionsmittel, geistiges Eigentum und in früheren Zeiten sogar Menschen). Der Staat setzt das Recht auf Eigentum mit Gewalt durch. Für die Menschen bedeutet dies: wer Eigentum hat, hat die Verfügung darüber, wer das Eigen-

tum nicht hat, ist davon ausgeschlossen. Das Entscheidende dabei ist nicht der Besitz von Gebrauchsgütern wie einem Kopfkissen oder einem Fahrrad. Die Härte des Eigentums kommt da zur Geltung, wo manche über ganze Landstriche oder riesige Fabriken verfügen und andere davon ausschlies- sen.

Geld: Ist in der kapitalistischen Gesellschaft das allgemeine Tauschmittel – Ausdruck des →Werts überhaupt. Das heisst, mit genügend Geld kann man alles kaufen. Geld ist also das Zugriffsmittel schlechthin. Mit ihm hat man den Zugriff auf das Eigentum anderer. Das heisst jedoch gleichzeitig, dass wer kein oder nicht genügend Geld hat, nicht an Waren kommt, egal was sein Bedürfnis ist.

Kapital: Ist eine Geldsumme, welche von ihrem Besitzer, dem →Kapitalisten, investiert wird, um vergrössert zurückzukehren. Kapital wird nicht zum privaten Konsum oder zur Schatzbildung gebraucht, sondern ‹angelegt›, um aus →Geld mehr Geld zu machen. Geld an sich ist also genausowenig Kapital wie ein grosses Auto. Erst wenn Geld dazu eingesetzt wird, sich zu verwerten, also mehr zu werden, ist Geld Kapital.

Kapitalist: Siehe Arbeitgeber.

Lohn: Ist jene Summe →Geld, welche →Arbeiterinnen für den Verkauf ihrer Ar- beitskraft bekommen – nicht für den Wert, den sie herstellen. Der →Wert die- ser Arbeitskraft wird, wie bei jeder anderen →Ware, bestimmt durch die zur Produktion und Reproduktion (z.B. Hausarbeiten, Erholung, Lebensmittel) notwendigen Arbeitszeit und durch ein historisches (z.B. Entwicklungsstand, Naturverhältnisse) und moralisches (z.B. Klassenkampf) Element.

Lohnarbeit: Ist die →Arbeit, welche entlöhnt wird. Sie ist im Kapitalismus notwendig, damit Gewinn realisiert werden kann (Produktion von →Waren, die am Ende mehr →Wert haben als am Anfang), oder die Voraussetzungen dafür geschaffen werden (z.B. Verkauf von Waren oder Sicherstellung von Zahlungsverkehr). Die meisten Menschen auf der Welt sind →Proletarier und deshalb auf Lohnarbeit angewiesen.

Lohnarbeiter: Siehe Proletarier.

Managerinnen: Sind die Funktionärinnen der →Kapitalistin. Ihre Aufgabe be- steht darin, dafür zu sorgen, dass aus dem →Geld ihrer Kapitalistin mehr Geld wird, z.B. durch die Optimierung von Arbeitsabläufen oder Rationalisierung. Deswegen lässt sich die Kapitalistin diese entscheidende Funktion auch so einiges kosten. Erfolgreiche Managerinnen werden oft selbst Kapitalistinnen.

Profit: Ist das Ziel und Ergebnis des erfolgreichen kapitalistischen Produktions- prozesses. Die Aussicht auf Profit ist der Grund, warum überhaupt produziert wird. Der Profit ist Teil des Mehrwerts, den die →Arbeiter schaffen.

Proletarier/Arbeiter/Lohnarbeiter/Lohnabhängige: Sind im doppelten Sinne frei: Die sind keine Sklaven oder Leibeigene und haben kein →Eigentum an Produktionsmitteln. Das bedeutet, dass sie ihre Arbeitskraft gegen →Lohn an einen →Kapitalisten oder an den Staat verkaufen müssen, um ihr Leben finanzieren zu können.

Ware: Ist die spezifische Form der Produkte, welche im Kapitalismus hergestellt werden. Sie sind Dinge und Dienstleistungen, die neben ihrem praktischen Nutzen auch einen Tauschwert/Preis (→Wert) haben. Die einen müssen sie kaufen, bevor sie sie brauchen können, die andern wollen sie nicht selber gebrauchen, sondern lassen sie nur produzieren, um sie zu verkaufen. Das bedeutet, dass nur hergestellt wird, was Gewinn bringt und dass es nur die Leute benutzen können, die genügend Kaufkraft haben.

Wert: Jede →Ware hat einen Gebrauchswert, also eine Nützlichkeit. Ein Stuhl dient z.B. zum Sitzen, ein Bett zum Schlafen. Neben diesem Gebrauchswert hat eine Ware aber auch einen (Tausch-)Wert. Gegen diesen Wert ist die Ware mit einer anderen zu tauschen. Dieser Wert kommt durch die not- wendige →Arbeit für die Herstellung zustande, die menschliche Arbeitskraft schafft also den Wert. Jedoch ist nicht die tatsächliche Arbeitszeit massge- bend, sondern die in der Gesellschaft durchschnittlich notwendige. Wenn manche für die Herstellung einer Ware länger brauchen als andere, haben ihre Waren deswegen nicht mehr Wert. Der Wert ist nichts Natürliches an Dingen, sondern der Ausdruck bestimmter gesellschaftlicher Verhältnisse. Im Kapitalismus werden Waren produziert und getauscht; dieser Tausch wird mit →Geld abgewickelt.