Wenigstens habe ich noch meinen Job. Es gibt sicher viele, die froh darum wären?

Für uns, die wir dazu gezwungen sind, unsere Arbeitskraft zu verkaufen, ist es finanziell besser einen Job zu haben, als von Beiträgen der Arbeitslosenkasse zu leben. Denn die Beiträge betragen nur 70 Prozent oder 80 Prozent (mit unterhaltspflichtigen Kindern) des vorherigen Lohns und schon dieser Lohn reichte in der Regel nur knapp bis zum Ende des Monats. Ob wir jedoch einen Job haben oder nicht, können wir nicht selber entscheiden. Das entscheiden die Arbeitgeberinnen – nach den Kriterien des Profits. Da helfen uns weder Ausbildung noch Anstrengung und Anstand viel: Finden die Arbeitgeberinnen zum Beispiel auf einem anderen Erdteil für sie bessere Bedingungen vor, verlagern sie die Produktion dorthin. Oder vielleicht rationalisieren sie durch den technischen Fortschritt unsere Arbeitsplätze weg, weil es dadurch möglich ist, billiger und mehr – mit weniger Leuten – zu produzieren. Oder der Arbeitsplatz geht verloren, weil das gesamte Unternehmen in der Konkurrenz untergeht. So kommt es auch im ‹Aufschwung› regelässig zu Massenentlassungen – ganz zu schweigen von Zeiten der ‹Krise›.

Aber auch wer über einen Job verfügt, ist nicht gut bedient. Die vorherrschenden Arbeitsbedingungen richten sich nicht nach unseren Bedürfnissen, wie einer guten Versorgung oder sinnvollen Arbeitsteilung, sondern nach den Kriterien des Profits. Das heisst für uns, dass wir möglichst intensiv und lange arbeiten müssen – also unter Verausgabung unserer Kräfte, Verschleiss des Körpers usw. Das führt dazu, dass Bauarbeiterinnen beispielsweise ihr Pensionsalter nicht selten als Invalide – oder gar nicht – erreichen und Leute, die dem Stress im Büro nicht mehr gewachsen sind, vor lauter Überanstrengung ein Burnout kriegen. Während die einen also unter zunehmendem Arbeitsdruck leiden, leiden Massen von Arbeitslosen daran, dass sie keine Arbeit bzw. zu wenig Geld haben. Für das Proletariat ist im Kapitalismus mit oder ohne Arbeit nichts Gutes drin.

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