Staat, Gesetze und Polizei braucht es doch, damit die Gewalt nicht überhand nimmt?

Die Gewalt in unserer Gesellschaft hat meist einen materiellen Grund. Insgesamt fielen im Jahr 2011 73 Prozent der Straftaten gegen das Strafgesetz- buch unter die Kategorie ‹Vermögensdelikte›, also beispielsweise Diebstahl und Raub. Rechnet man noch die Delikte ‹Hausfriedensbruch bei Diebstahl›, ‹Fälschung von Geld› und ‹Fahrzeugentwendung-/diebstahl› hinzu, kommt man sogar darauf, dass 93.5 Prozent aller ‹Gewalttaten› aus materiellen Gründen begangen wurden.1

Gewalt lässt sich daher auch nicht durch Verbote oder Bestrafungen aus der Welt schaffen, denn die Ursache liegt meistens in den Gegensätzen, welche der Konkurrenz im Kapitalismus entspringen. Erst durch eine Veränderung des Wirtschaftssystems entfallen die meisten Gründe für Gewalttaten. Wenn die Menschen gemeinsam für die Bedürfnisbefriedigung produzieren, werden beispielsweise Raub und Diebstahl überflüssig.

Die mächtigste Gewalt in der heutigen Welt geht nicht von Individuen aus, sondern von Staaten. Ein Staat setzt seine Interessen und Gesetze mit Gewalt durch. So gewährt ein Staat beispielsweise das Recht auf Eigentum, welches die Arbeiterinnen und die Kapitalistinnen trennt. Durch dieses wird eine Ausbeu- tung der Arbeiterinnen erst möglich – kein Wunder also, dass der Staat seine Gewalt braucht, um das Recht auf Eigentum zu schützen. Auch Kriege werden meist aufgrund von sich überschneidenden Staatsinteressen geführt. Der Staat hat das Gewaltmonopol über sein Gebiet, damit er die wirtschaftliche Funktio- nalität ebendieses schützen kann.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die meisten Straftaten ohne Staat und Kapital wegfallen würden, denn ohne Privateigentum kann es auch kein Eigentumsdelikt mehr geben. Wenn wir nicht mehr gezwungenermassen gegeneinander arbeiten müssen, wie dies die kapitalistisch notwendige und von Staat durchgesetzte Konkurrenz verlangt, können wir ohne diese Gegensät- ze leben und miteinander statt gegeneinander produzieren.

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1 Zahlen aus der polizeilichen Kriminalstatistik 2011 der Schweiz.

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