Der Staat sind doch wir alle?

Nein, der Staat sind nicht wir alle. Bürgerinnen eines Staates sind eben gerade nicht der Staat, sondern das Volk, das regiert wird. Der Staat ist die institutionalisierte Herrschaft über ein Volk auf einem bestimmten Gebiet. Dass der Staat Herrschaft bedeutet, ist für viele Menschen nicht so offensichtlich, weil in einer Demokratie, wie es sie hierzulande gibt, nicht ein einzelner Mensch an der Spitze sitzt, der durchgreift. Regiert wird über Ämter und durch verschiede- ne Personen. Dabei kommt es gar nicht so sehr drauf an, wer ein bestimmtes Amt ausführt, denn welche Aufgaben er zu erfüllen hat, wird durch die Gesetze festgelegt. Grundlage für die Gesetze und die ganze Rechtsordnung eines Staates ist die Verfassung, auf welche sich eine Herrschaft beim Regieren ihres Volkes stützt. Und diese hat es in sich. Sie setzt die kapitalistische Produktions- weise als Existenzgrundlage für alle fest und setzt somit jeden in die Gegensät- ze von Käuferin–Verkäuferin, Arbeiterin–Kapitalistin, Mieterin–Vermieterin, usw. Ausweichen kann dem niemand,und so ist jeder darauf festgelegt, aus dem Geld zum machen, das er hat, sei es Eigentum oder nur die eigene Arbeitskraft. Mit Gewalt, also mit Polizei und Justiz, wird die Verfassung durchgesetzt. Sie grundlegend zu ändern ist beinahe unmöglich, denn was ihr widerspricht – nicht verfassungskonform ist – wird verboten.

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