Der Mensch ist egoistisch, faul, gierig. Er ist wie er ist, das gehört zum Wesen des Menschen.

Dass Menschen nicht per se egoistisch, faul oder gierig sind, ist offensichtlich. Dazu braucht es nur einen Blick in die unterschiedlichsten Tätigkeiten der Menschen. Da gibt es welche, die x Stunden freiwillige Arbeit leisten um zum Beispiel ältere Menschen zu pflegen, andere schuften Tag für Tag von morgens bis abends für Lohn und noch andere besitzen fast nichts und teilen dennoch alles.

Wer behauptet, der Mensch sei so in seinem Wesen, geht von einem Bild des Menschen aus und sucht sich dann in den unterschiedlichsten Tätigkeiten Beweise dafür. Wer zum Beispiel sagt: «Der Mensch verhält sich egoistisch, weil er in seinem Wesen egoistisch ist.», nennt als Grund für eine Tätigkeit die Tätigkeit selbst. Er sieht ab von den Gründen, welche die Leute dafür haben, sich so oder anders zu verhalten. Es ist eine ziemlich billige Tour, bestimmte Verhaltensweisen erklären zu wollen ohne sich mit Gründen dafür zu befassen. Nicht selten schaffen es Leute sogar, mit einem Menschenbild die herrschenden Verhältnisse zu legitimieren/entschuldigen. Wieso wir uns täglich am Kapitalismus abarbeiten müssen, versuchen wir in anderen Fragen zu beantworten; es aber mit «Die Menschen sind halt gierig» zu rechtfertigen, liegt uns fern. Viel mehr lässt sich aus den kapitalistischen Verhältnissen erklären, wieso Menschen als egoistisch, faul oder gierig betrachtet werden.

In einer Gesellschaft, in der sich alle ständig in Konkurrenz zu einander befinden (sei es bei der Arbeit, bei der Wohnungssuche oder sonst wo) liegt es nahe, dass jeder erst mal schaut, dass er sein Interesse durchsetzten kann. Tut er dies nämlich nicht, geht er als Konkurrenzverlierer aus der Situation hervor, landet zum Beispiel beim Sozialamt, kriegt die niedriger bezahlte Arbeit, die schlechtere Wohnung usw. So erstaunt es nicht, dass sich Menschen sogenannt

‹egoistisch› verhalten. Und weil wir in Konkurrenz leben, gibt es auch immer Verlierer. Diesen wird dann schnell nachgesagt, dass sie faul und somit selber schuld an ihrer Lage seien. Dabei ist es Resultat der Konkurrenz, dass jemand zum Beispiel gerade nicht von einem Kapitalisten gebraucht wird. Auch ist die ‹Gier› der Manager eine Konsequenz aus den kapitalistischen Verhältnissen. Der Inhalt ihrer Arbeit besteht darin, das Unternehmen so zu managen, damit dieses immer und möglichst viel Profit erzielt.

Nur nebenbei bemerkt: Wäre es tatsächlich das ‹Wesen des Menschen›, solche ‹schlechten› Eigenschaften zu haben, würde die Menschen diese nicht kritisieren bzw. zu verhindern versuchen. Es ist darum auch nicht unser Anliegen, das ‹Wesen der Menschen› zu ändern – wir wollen die Verhältnisse ändern.

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